DIE GEOLOGISCHE FORMATION
Die Geschichte des Tanaro beginnt vor 2
Millionen Jahren am Ende des Pliozäns.
Die Alpen- und Apenninenketten waren bereits völlig aufgetaucht und das Meerwasser, das
die Poebene überschwemmt hatte, wich langsam zurück. An seiner Stelle häufte sich das
von den Sturzbächen abgelagerte Geröll.
Vor ungefähr 100.000 Jahren war der Po der Hauptfluss im Südpiemont westlich von den
Langhe, während östlich davon viele Sturzbäche flossen : Bormida, Orba, Lemme, Borbera,
Curone und vor allem der wichtigste, der Scrivia.
Zur Zeit fehlte jede Spur vom heutigen Tanaro: der Fluss floss in der Tat vor 100.000
Jahren westlich von den Langhe-Hügeln und mündete in den Po zirka 90 Km. näher den
Bergen, auf der Höhe von Carmagnola. Nachher leiteten natürliche Phänomene unbekannter
Natur den Fluss in Richtung Ost um, auf der Höhe von Cherasco. Ebenso ungewiss ist die
Zeit, in der sich die Umleitung ereignete, vielleicht vor 80.000 vielleicht vor 20.000
Jahren.
Nach den von Prof. F. Sacco Anfang des XX Jahrhunderts begonnenen Studien, sei folgende
Hypothese am wahrscheinlichsten: Er meint, es handele sich um die geologische Erscheinung
des "Flussfangs", die mit einer starken Erosion zusammen ging.
Da "durchgrub" der Tanaro wahrscheinlich die Hügel von Cherasco und
durchschnitt sie, weil er vom Alessandria-Becken angezogen wurde, das niedriger als die
südlich von Turin gelegene Ebene war.
Situation nach dem "Flussfang"
Das Flussnetz der Alessandria-Ebene sah
früher anders aus: der Scrivia und seine Nebenflüsse wurden nach Tortona geschoben,
indem sie durch den Tanaro und den Belbo ersetzt wurden. Der Sand und der Lehm des Tanaro
bedeckten die Alessandria-Ebene.
Bei der Flächenvermessung fallen
deutlich die weiten Mäander auf, die der Fluss ab Niella Tanaro zieht . Sie treten
typischerweise in der Ebene auf, dagegen ist der Tanaro-Lauf flussaufwärts
viel geradliniger. Die Entstehung der Mäander erfolgt, wenn das Flusswasser
besonders langsam fließt. Sie verschwinden im Laufe von Erosionszyklen unter deren
möglichen Ursachen die Absenkung des Normalwasserstandes zu nennen ist, sowie
Eindämmungswerke und die Gewinnung von Baumaterialien.
Unter den geologischen Ursachen der Flussbettabsenkung infolge eines neuen Erosionszyklus
muss zweifellos das langsame und allmähliche Einsinken der Poebene erwähnt werden. Diese
Erscheinung lässt tendenziell alle Wasserläufe flussaufwärts verjüngen, die in den Po
münden.
Manchmal verschwinden die Mäander nicht auf natürlichen sondern auf künstlichen, von
Menschenhand geschaffenen Wegen. Genau in der Nähe von Felizzano und Castello
dAnnone, während man die Eisenbahnstrecke Genua-Turin erbaute, sind zwei Mäander
abgeschafft worden, um die Errichtung von zwei weiteren Brücken zu vermeiden.
In solchen Gebieten "reagiert" der Fluss, als ob sein Normalwasserstand dort
plötzlich abgesenkt wäre: die ganze flussaufwärts liegende Strecke verjüngt sich, weil
die Strömungsgeschwindigkeit ansteigt und daher die Transportfähigkeit zunimmt.
Auch die Variation der Mündungen infolge von solchen Phänomenen hat im Laufe der Zeit
wesentliche Veränderungen verursacht.
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